Themenausschreibung April 2018

  • Thema 1: "Bitte beachten Sie die Produktplatzierungen" – Eine Untersuchung der Auswirkungen von Rezipienten- und Situationsmerkmalen auf die Beachtung von Aufklärungshinweisen
    Schon seit 2010 werden laut EU-Gesetz Hinweissymbole und -texte in audiovisuellen Mediendiensten eingeblendet, um die Rezipienten darüber zu informieren, dass ein Programm Produktplatzierungen enthält. Doch wer achtet eigentlich auf solch einen Aufklärungshinweis? Was zeichnet die Personen aus, die den Aufklärungshinweisen ihre Aufmerksamkeit schenken? Hohe visuelle Aufmerksamkeit ist nach aktuellen Studien eine Voraussetzung dafür, dass Hinweise den Rezipienten erfolgreich auf die Präsenz von Produktplatzierungen hinweisen können. Bisherige Forschung hat sich hauptsächlich darauf konzentriert, welche Hinweismerkmale die Effektivität eines Hinweises begründen. Die Merkmale der Rezipienten wurden hingegen kaum erforscht. Darüber hinaus ist kaum untersucht worden, welche Rolle dabei die aktuelle Situation, in der sich die Rezipienten befinden, spielt. Das Ziel der Magisterarbeit ist es, Merkmale der Rezipienten zu definieren und gleichzeitig auch ein Verständnis darüber zu schaffen, welche Personen die Hinweise weniger erreichen. Dafür sollen basierend auf bestehender Literatur Prädispositionen sowie situative Merkmale der Rezipienten während der Betrachtung von Aufklärungshinweisen aufgegriffen werden, die die Aufmerksamkeit gegenüber Aufklärungshinweisen von Produktplatzierungen erklären können. Diese Konstrukte sollen dann einer experimentellen Testung unterzogen werden.
  • Thema 2: Betrunken in Serien: Motivationen, Konsequenzen und ihr Einfluss auf Alkoholeinstellungen und Alkoholerwartungen
    Alkohol ist omnipräsent in Fernsehserien. Eine Vielzahl an Studien zeigte bereits auf, dass dies den Seher beeinflusst. So kann die Darstellung negativer Alkoholkonsequenzen (z.B Übelkeit, Aggression) zu einer negativen Alkoholeinstellung führen und den Seher über die möglichen Folgen von Alkoholkonsum aufklären. In dieser Studie konzentrieren wir uns auf die Rolle von Trinkmotivationen. Macht es einen Unterschied für den Seher, ob der Charakter trinkt um Spaß zu haben, Mut zu fassen oder seine Probleme zu vergessen? Wie wirken sich diese Darstellungen auf den Seher aus und wie interagieren sie mit Konsequenzdarstellungen? Anhand eines experimentellen Designs soll erforscht werden, ob die Trinkmotivation (Geselligkeit vs. Problembewältigung) und die Konsequenz (negative vs. keine Konsequenz von Alkohol vs. positive Konsequenz von Alkohol), einen Einfluss auf die Alkoholeinstellungen und Alkoholerwartungen der Rezipienten haben.
  • Thema 3: Du trinkst wie ich! Der Einfluss von Modell-Beobachter Ähnlichkeit und Trinkmotivationen bei Alkoholmarkenpostings auf Social Media
    Alkoholdarstellungen sind ein häufiger Anblick in der Welt der Social Media-Plattformen, oft gepostet von anderen Usern. Man sieht Alkoholmarken in sogenannten Real-World Tie-Ins, eingebettet in einen Geselligkeits- oder Entspannungskontext. Studien zeigen einen Einfluss auf das Trinkverhalten der Nutzer, doch bleibt unklar, welche Faktoren hier von Wichtigkeit sind. Eine mögliche Variable ist die Ähnlichkeit des Sehers mit der Quelle des Postings. Weiters ist von Interesse, welche Trinkmotivation das Bild darstellt. Diese Masterarbeit soll anhand eines experimentellen Designs überprüfen, wie sich diese zwei Faktoren auf Alkoholeinstellungen auswirken. Dabei werden unterschiedliche Social Media Posts erstellt und deren Einfluss auf die SeherInnen gemessen. Das Experiment kann online oder im Rahmen einer Laborstudie durchgeführt werden.
  • Thema 4: Der Shot im Blick: Prädispositionen als Prediktor für Alkoholaufmerksamkeit
    Alkohol umgibt uns in der Medienwelt, ob in Magazinen oder auf Social Media. Eine Vielzahl von Studien hat bereits dargelegt, dass dies Nutzer beeinflussen kann. Doch welche Nutzer lassen sich besonders beeinflussen? Einen zentralen Einfluss auf weitergehende Effekte im Persuasionsprozess hat die Aufmerksamkeit der SeherInnen. Deshalb soll in dieser Experimentalstudie anhand von Eye-Tracking erhoben werden, ob sich das Blickverhalten von unterschiedlichen TeilnehmerInnen unterscheidet. Hierbei ist der Alkoholkonsum der Befragten von besonderem Interesse, da sich hier eine Spirale zeigen könnte. Schauen Vieltrinker mehr auf Alkohol und greifen in Folge auch mehr zum Glas?
  • Thema 5: Terrorangst – jederzeit und überall? Die Wirkung von Terrorberichterstattung auf Terrorangst, Wut gegenüber der Regierung und Unterstützung von restriktiveren Gesetzen für die Zuwanderung von Muslimen
    Die bisherige Forschung zeigt, dass Medienberichterstattung über Terroranschläge des Islamischen Staates Terrorangst und negative Einstellungen gegenüber Muslime fördern kann. In den letzten Jahren haben sich Terroranschläge nicht mehr nur auf Großstädte und Großereignisse konzentriert, stattdessen hat der Islamische Staat seine Mitglieder in aller Welt dazu aufgerufen, Attacken jederzeit und überall mit einfachen Waffen wie Messern oder Fahrzeugen durchzuführen, wodurch der Terror allgegenwärtig geworden ist. Das Gefühl, dass Terroranschläge jederzeit und überall passieren können, kann die Angst, selbst Opfer eines Terroranschlages zu werden, maßgeblich erhöhen und in der Folge negative Einstellungen gegenüber Musliminnen und Muslimen schüren. Die Medienberichterstattung nimmt dabei eine wichtige Rolle in der Vermittlung der wahrgenommenen Terrorgefahr ein. Die Magisterarbeit untersucht unter Einsatz eines experimentellen Designs, wie sich Terrorberichterstattung, die die Allgegenwärtigkeit der Terrorgefahr betont, auf die wahrgenommene Terrorangst, den empfundenen Ärger gegenüber der Regierung und in der Folge auf Einstellungen gegenüber muslimischen Zuwanderern auswirkt.
  • Thema 6: Umweltfreundlich für mich – Umweltfreundlich für uns alle: Der Einfluss von sozialer oder persönlicher Identität auf die Wirksamkeit grüner Kampagnen
    Bestehende Studien zur Effektivität von grünen Kampagnen zeigen, dass soziale Faktoren bedeutsam sind, um die Verhaltensweisen der Konsumenten hinsichtlich Nachhaltigkeit zu fördern. Denn grünes Verhalten ist auch ein Anzeichen von Verantwortungsbewusstsein gegenüber der eigenen (natürlichen und menschlichen) Umwelt. Trotz großer Fortschritte gibt es nach wie vor nur begrenztes Wissen darüber, warum Verbraucher auf unterschiedliche Weise auf grüne Werbung reagieren. Die geplante Magisterarbeit zielt darauf ab, die Schlüsselfrage zu beantworten, wie grüne Werbung erfolgreich an potentielle Konsumenten vermittelt werden kann. Durch eine Experimentalstudie wird untersucht, inwieweit die Einstellungen von Individuen zu grünen Anzeigen und ihre Verhaltensabsicht zu den beworbenen grünen Produkten durch ihre soziale und persönliche Identität beeinflusst werden.
  • Thema 7: Aus "falsch" mach "trotzdem richtig" – wie halten MedienkonsumentInnen an Fehlinformationen fest?
    MedienkonsumentInnen sind regelmäßig mit falschen Informationen über Kriminalitätsraten, zu Gesundheitsthemen, über den Klimawandel oder Migrationsthemen konfrontiert. Die schnelle Verbreitung solcher Fehlinformationen verstärkte in den letzten Jahren Fact-Checking-Bemühungen von JournalistInnen und NGOs in ganz Europa. Was passiert aber, wenn die offensichtliche Fehlinformation einfach besser in das eigene Weltbild passt? Diese Masterarbeit soll untersuchen, wie RezipientInnen anhand sogenannter Resistenzstrategien an ihrem Weltbild und an Fehlinformationen festhalten. Eine experimentelle Studie soll Einblick in verschiedene kognitive undaffektive Mechanismen geben, die Menschen "resistent" gegenüber neuer Information machen – angefangen von der Verunglimpfung der Quelle bis hin zum Generieren von Gegenargumenten.