Themenausschreibung April 2021

  • Thema 1: Opfer rechtsextremen Terrors: Zwischen Stereotypen und Personalisierung
    Anschläge wie 2019 in Christchurch oder 2020 in Hanau zeigen, dass rechter Terror eine ernstzunehmende Gefahr darstellt. Diese Anschläge richten sich meist gegen Minderheiten und immer häufiger gegen Muslime. In diesem Zusammenhang kommt dem Umgang der Medien mit den Anschlägen eine besondere Bedeutung zu. In der Vergangenheit wurden rechtsextreme Anschläge gegen (muslimische) Minderheiten medial mit stereotypen Beschreibungen wie etwa "Dönermorde" begleitet. In jüngster Zeit wurde der Ruf immer lauter, gerade Opfern, die Minderheiten angehören, in der Öffentlichkeit ein Gesicht zu geben ("say their names"). In einem Experiment soll genau herausgearbeitet werden, ob und wie sich der Einsatz von stereotypen und personalisierenden Beschreibungen von Opfern rechten Terrors auf Nachrichtenleserinnen und -leser auswirkt: Ändern sich deren Wahrnehmungen und Einstellungen, wenn sie über ein Terroropfer personalisierende Details erfahren (z.B. den vollen Namen, liebster Fußballclub)? Und welchen Effekt haben stereotype Darstellungen auf die RezipientInnen? Je nach Interesse kann das Thema auch angepasst werden.
  • Thema 2: A Dirty Campaign? Eine quantitative Inhaltsanalyse von Dirty Campaigning auf Facebook im deutschen Bundestagswahlkampf 2021
    Dirty Campaigning spielt eine zentrale Rolle im Wahlkampf von politischen Parteien. Solche untergriffigen Attacken – ob beleidigend, respektlos, oder unwahr – sind auch in der deutschen Politik nicht mehr wegzudenken. Doch wie verwenden Politikerinnen und Politiker Dirty Campaigning auf Facebook – dem wichtigsten sozialen Medium in Deutschland? Welche Politikerinnen und Politiker neigen eher zu Dirty Campaigning? Und welche Faktoren bedingen die Auswahl verschiedener Formen von Dirty Campaigning? Diese Fragen sollen in einer Masterarbeit mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse der Facebook-Postings von Spitzenkandidatinnen und -kandidaten im deutschen Bundestagswahlkampf 2021 untersucht werden. Diese Studie bietet neue Erkenntnisse in einem kaum untersuchten Forschungsfeld – nämlich der Verwendung von Dirty Campaigning in der Online-Kommunikation eines Wahlkampfes.
  • Thema 3: Dirty Effects? Ein Experiment zur Wirkung von Negative und Dirty Campaigning in der österreichischen Corona-Politik
    Attacken sind ein zentraler Bestandteil der Strategien von politischen Parteien. Dabei setzen Parteien häufig auf Negative und Dirty Campaigning, um den politischen Gegner zu kritisieren oder schlechtzumachen. Dennoch ist nicht ausreichend geklärt, wie Bürgerinnen und Bürger auf Negative und Dirty Campaigning reagieren. Welche Auswirkungen haben Negative und Dirty Campaigning auf politische Einstellungen? Inwiefern führen Negative und Dirty Campaigning zu unterschiedlichen Effekten bei Bürgerinnen und Bürgern? Welche Emotionen rufen Negative und Dirty Campaigning hervor? Diese Masterarbeit soll die Effekte von Negative und Dirty Campaigning auf die Bürgerinnen und Bürger in einem kontrovers diskutierten Politikfeld in Österreich – der Corona-Politik – mittels eines Experiments untersuchen. Diese Studie gibt einen Einblick in die (unterschiedlichen) Wirkungen von Negative und Dirty Campaigning in einem themenspezifischen Kontext.
  • Thema 4: Zufälliger Kontakt mit politischer Information auf Social Media
    Bürgerinnen und Bürger sind ständig mit politischen Informationen auf Instagram, Facebook oder anderen Social Media-Kanälen konfrontiert. Debatten zur Einführung von Studiengebühren, Informationen zum Asylwesen, Artikel über die Spitzen der Parteien und Veranstaltungseinladungen zu "Friday for Future"-Demos sind neben vielen anderen politischen Inhalten omnipräsent auf Social Media. Immer wieder kommt es vor, dass man gerade dann über politische Themen stolpert, wenn man etwas ganz anderes sehen wollte. Manche Userinnen und User lassen sich, obwohl sie zum Beispiel nur Urlaubsfotos von Freundinnen oder Freunden betrachten wollten, zu einem Klick auf politische Inhalte verleiten. Doch wann und wie kommt es zu diesem Klick? Welche Faktoren spielen eine Rolle, ob sich jemand mit den zufällig angetroffenen politischen Informationen beschäftigt? Und, mindestens genauso wichtig: Können Userinnen und User durch den zufälligen Kontakt mit politischer Information etwas lernen oder kommen sogar mobilisierende Effekte zustande? Ein Experiment soll helfen, die Mechanismen zu verstehen.
  • Thema 5: Abgelenkt durchs Internet und wieder nichts über Politik gelernt
    Das Internet und Social Media-Kanäle von Politikerinnen und Politikern sind für viele Bürgerinnen und Bürger zu wichtigen Informationsquellen über politische Geschehnisse geworden. Doch insbesondere Social Media und Websites, die nicht auf politische Nachrichten spezialisiert sind, präsentieren den Userinnen und Usern auch noch eine ganze Reihe an anderen, nicht-politischen Informationen, die potentiell eine ablenkende Wirkung entfalten können. Können nicht-politische Informationen Bürgerinnen und Bürger sogar stören, wenn sie gerade etwas über Politik lernen wollen? Wie wirken sich vermeintlich ablenkende Inhalte auf politisches Wissen und politische Partizipation aus? Welche Aspekte der nicht-politischen Inhalte wirken sich negativ aus, und welche können Lernen oder Mobilisierung vielleicht sogar fördern? Ein Experiment soll helfen, die Mechanismen zu verstehen.
  • Thema 6: 99+ Matches: Funktioniert Tinder als "Egoboost"?
    Die Gründe, eine Dating App wie Tinder herunterzuladen, können sehr vielfältig sein. Kontrovers diskutiert wird die Funktion von Dating Apps als "Egoboost". Swipe-basierte Dating Apps laden dazu ein, Profile anderer Nutzerinnen und Nutzer mit einem Wischen nach links oder rechts abzulehnen oder zu liken.
    Während Nutzerinnen und Nutzer auf klassischen sozialen Medien Likes für einzelne Fotos oder Beiträge sammeln können, erhalten sie via Dating-Apps Feedback für ihr gesamtes Profil. Für Nutzerinnen und Nutzer sichtbar werden nur "Matches", wenn zwei Personen einander geliked haben. Ablehnung durch andere wird genauso wenig sichtbar wie das Feedback derer, die man selbst abgelehnt hat.
    Ein besonderer Reiz von Dating Apps besteht also darin, dass das Feedback auf die Darstellung der eigenen Person so greifbar – in Form von zählbaren Matches – ist. Die bisherige Forschung konnte bereits einen korrelativen Zusammenhang zwischen Dating-App-Nutzung und psychologischen Variablen wie Selbstbewusstsein nachweisen. Allerdings fehlen experimentelle Studien, in denen die Anzahl der Matches manipuliert wird, sowie längsschnittliche Studien mit Nutzerinnen und Nutzern, in denen untersucht wird, wie lange ein durch Matches ausgelöstes Hochgefühl anhält.
  • Thema 7: Alles Grün!? Wirkung von Influencer Marketing
    Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind bedeutsame Themen der aktuellen politischen Diskussion und spielen auch im Rahmen von Konsumentscheidungen eine immer bedeutendere Rolle. Die Bewerbung von grünen Produkten findet daher auf allen Kanälen statt und es kommt "grünen" Produkten daher auch große Bedeutung auf Social Media im Influencer Marketing zu. Doch nachhaltige Produkte sind nicht immer so umweltfreundlich wie sie auf den ersten Blick scheinen. Durch Claims wie "natürlich", Naturbilder, falschen Zertifikaten und vagen oder sogar falschen Aussagen werden Produkte gerne grüner dargestellt, als sie es tatsächlich sind. Diese Irreführung durch "grüne" Claims nennt man Greenwashing. Durch eine Magisterarbeit zu diesem Thema soll in einer Experimental-Studie getestet werden, ob a) nachhaltige Influencer ebenfalls nicht nachhaltige Produkte umweltfreundlicher darstellen können als sie es sind, oder b) wie Follower Inkonsistenz zwischen Werthaltung des Influencers und beworbener nicht nachhaltiger Produkte bewerten.
  • Thema 8: Grün denken, aber nicht handeln? Zur Rolle des Moral Disengagements
    Das Bewusstsein für Umweltthemen und klimaschädliches Verhalten in der Bevölkerung ist so hoch wie nie zuvor. Zahlreiche Berichte und Kampagnen greifen die Klimakrise auf und berichten über den Einfluss unseres Handelns auf den CO2-Ausstoß. Gleichzeitig werden durch Werbung Aktivitäten als wünschenswert und attraktiv dargestellt, die klimaschädlich sind. In der folgenden Studie steht im Mittelpunkt, wie z.B. Medieninhalte wie etwa Flugwerbungen, Urlaubsberichte oder Travel Blogs dazu führen, dass Personen trotz ihres Umweltwissens eben nicht umweltbewusst handeln. Als Rahmen dafür dient Banduras Theorie des "moral disengagement" (2016). Sie zeigt, wie verschiedene Personen gegen ihre eigenen Werte handeln können, ohne sich dabei schuldig zu fühlen. Ein Experiment soll klären, ob Medieninhalte solche Moral Disenagement Strategien verstärken und dadurch zu weniger umweltbewussten Handeln führen können.
  • Thema 9: Ein Blick sagt mehr als tausend Worte: Wahrnehmung personalisierter politischer Werbung auf Social Media
    Politische Werbung auf Social Media ist für PolitikerInnen ein nicht mehr wegzudeckendes Werbemittel im Wahlkampf. Seit Jahren investieren PolitikerInnen immer mehr Geld in diese Art der Werbung. Dabei ist es ein großer Vorteil, dass die Werbung nur gewissen Personen gezeigt werden kann – also personalisierte Werbung geschaltet wird. Ist den UserInnen jedoch bewusst, dass die jeweiligen politischen Werbungen auf sie zugeschnitten sind? Achten sie auf die Aufklärungshinweise, die sie über diese Tatsache informieren sollen? Diese Masterarbeit soll diesen Fragen mit Hilfe einer Eye-Tracking-Studie nachgehen, um herauszufinden, wie UserInnen diese Art der Werbung tatsächlich wahrnehmen. Dabei wird das Blickverhalten der UserInnen aufgezeichnet. Da es sehr schwer ist, sein Blickverhalten bewusst zu steuern, bietet diese Studie besondere Einblicke in dieses Forschungsfeld.