Themenausschreibung Oktober 2021

  • Thema 1: Effekte von Angst und Opferdarstellung in Terrorberichterstattung
    Topic 1: Effects of fear and victimization in terror coverage

    DE: Bei Terrorschlägen wie 2019 in Christchurch oder 2020 in Wien versuchen Terrorist*innen, durch Gewaltanwendung Einstellungen in der Bevölkerung zu beeinflussen und politische Positionen durchzusetzen. Unabhängig vom Hintergrund der Tat (rechtsextrem oder dschihadistisch) ist ein wichtiger Mechanismus dabei das Erzeugen von Angst, die durch mediale Berichterstattung weiter verstärkt wird. Bisherige Forschung hat gezeigt, dass neben der Bezeichnung der Tat als "Terrorismus" auch die Wahl der Opfer und ihre Darstellung in den Medien beeinflussen kann, wie Nachrichtenrezipient*innen auf Terrorberichterstattung reagieren. Es ist allerdings unklar, ob und inwieweit sich der emotionale Grundzustand der Rezipient*innen bei verschiedenen Opferdarstellungen auf Einstellungen und (geplante) Verhaltensweisen der Rezipient*innen auswirkt. Diese Zusammenhänge sollen in einem Experiment untersucht werden. Neben einstellungs- und verhaltensbezogenen Effekten soll beleuchtet werden, in welchem emotionalen Grundzustand und bei welcher Opferdarstellung Nachrichtenrezipient*innen einen potenziellen Anschlag als Terrorakt einstufen.

    EN: In terrorist attacks like in Christchurch in 2019 or in Vienna in 2020, terrorists try to influence attitudes in the population and to enforce political positions by use of violence. Regardless of the background of the act (far-right or jihadist), an important mechanism is the generation of fear, which is further reinforced by media coverage. Research to date has shown that, in addition to labeling the act as "terrorism", the choice of victims and their portrayal in the media can influence how news recipients respond to terror coverage. However, it is unclear whether and to what extent the basic emotional state of recipients at different victim portrayals affects attitudes and (intended) behaviors.
    These relationships will be investigated in an experiment. In addition to attitudinal and behavioral effects, the emotional state and the victim portrayal in which news recipients classify a potential attack as an act of terrorism should be examined.
  • Thema 2: Bleiben gefälschte Statistiken hängen? Die Rolle wahrgenommener Intentionen für den Ankereffekt falscher Zahlen in den Nachrichten
    Der Ankereffekt ist eine der bekanntesten kognitiven Fehlleistungen in der Kognitionspsychologie. Der Ankereffekt besagt, dass selbst falsche und völlig irrelevante Zahlen unsere eigene Einschätzung beeinflussen können. Ein Beispiel: In einem klassischen Experiment ließen die Forscher Kahnemann und Tversky ihre Proband*innen an einem Glücksrad drehen, das entweder eine hohe oder eine niedrige Zahl anzeigte. Danach stellten die Forscher eine gänzlich unzusammenhängende Frage – wie viele afrikanische Länder sind Teil der Vereinten Nationen? Jene Proband*innen, die zuvor eine hohe Zahl am Glücksrad gesehen hatten, gaben auch eine höhere Zahl zur Antwort.
    Der Ankereffekt kann auch dann zum Problem werden, wenn falsche Zahlen in den Nachrichten verbreitet werden. Selbst wenn wir wissen, dass Zahlen zu wichtigen Themengebieten wie dem Klimawandel, Migration oder Gesundheitsthemen falsch sind, können diese unsere Wahrnehmung verzerren. Aber ist das selbst dann der Fall, wenn bekannt wird, dass eine Person mit der Verbreitung der Zahl negative Absichten verfolgt?
    Um dieser Frage nachzugehen, führen Sie ein Experiment durch, in welchem Sie eine falsche Zahl in einem Nachrichtenbericht als falsch entlarven (hohe Zahl/niedrige Zahl/ ontrollgruppe) und die Intention des Senders (offensichtlich negative Intention des Senders/keine Intention des Senders) manipulieren. Anschließend messen Sie, ob sich die eigene Einschätzung der Personen an der eindeutig falschen Zahl orientiert und welche Rolle die wahrgenommene Intention des Senders dabei spielt.
  • Thema 3: Von Fact-Checks zu Value-Checks: Interventionen gegen Fehlinformation
    Fehlinformationen online, speziell auf sozialen Medien, werden nicht zuletzt seit der COVID-19 Pandemie viel diskutiert. Daraufhin gibt es verschiedene Interventionen gegen Fehlinformation, wie zum Beispiel Fact-Checks. Die Forschung allerdings zeigt, dass Individuen nicht nur wegen mangelnden Wissens an Fehlinformationen glauben, sondern auch, weil es mit ihren Werten übereinstimmt oder zu ihren Motivationen passt. Daher sind Interventionen, die allein auf das Wissen der Individuen abzielen – etwa Fact-Checks – nur bedingt nützlich. Wichtig ist auch, dass wir die Werte und Motivationen der Individuen in Interventionen berücksichtigen. In dieser Masterarbeit soll deshalb untersucht werden, wie eine Intervention, die die Werte einer Nachricht berücksichtigt, (so genannte Value-Checks) aussehen und funktionieren könnte. In einem Experiment soll getestet werden, wie sich Value-Checks im Vergleich zu Fact-Checks auf den Glauben an Fehlinformation auswirken.
  • Thema 4: A dirty campaign? Eine quantitative Inhaltsanalyse von Dirty Campaigning auf Facebook im deutschen Bundestagswahlkampf 2021
    Dirty Campaigning spielt eine zentrale Rolle im Wahlkampf von politischen Parteien. Solche untergriffigen Attacken – ob beleidigend, respektlos oder unwahr – sind auch in der deutschen Politik häufig anzutreffen. Doch wie verwenden Politiker*innen Dirty Campaigning auf Facebook – dem wichtigsten sozialen Medium in Deutschland? Welche Politiker*innen sind eher zu Dirty Campaigning geneigt? Und welche Faktoren bedingen die Auswahl verschiedener Formen von Dirty Campaigning? Diese Fragen sollen in einer Masterarbeit mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse der Facebook-Postings von Spitzenkandidat*Innen im vergangenen Bundestagswahlkampf untersucht werden. Diese Studie bietet neue Erkenntnisse in einem kaum untersuchten Forschungsfeld – nämlich der Verwendung von Dirty Campaigning in der Online-Kommunikation eines Wahlkampfes.
  • Thema 5: Dirty effects? Ein Experiment zur Wirkung von Negative und Dirty Campaigning in der österreichischen Corona-Politik
    Attacken sind ein zentraler Bestandteil der Strategien von politischen Parteien. Dabei setzen Parteien häufig auf Negative und Dirty Campaigning, um den politischen Gegner zu kritisieren oder schlechtzumachen. Dennoch ist nicht ausreichend geklärt, wie Bürger*innen auf Negative und Dirty Campaigning reagieren. Welche Auswirkungen haben Negative und Dirty Campaigning auf politische Einstellungen? Inwiefern führen Negative und Dirty Campaigning zu unterschiedlichen Effekten bei den Bürger*innen? Welche Emotionen rufen Negative und Dirty Campaigning hervor? Diese Masterarbeit soll die Effekte von Negative und Dirty Campaigning auf die Bürger*innen in einem kontrovers diskutierten Politikfeld in Österreich – der Corona-Politik – mittels eines Experiments untersuchen. Diese Studie gibt einen Einblick in die (unterschiedlichen) Wirkungen von Negative und Dirty Campaigning in einem themenspezifischen Kontext.
  • Thema 6: 99+ Matches: Funktioniert Tinder als "Egoboost"?
    Die Gründe, eine Dating App wie Tinder herunterzuladen, können sehr vielfältig sein. Kontrovers diskutiert wird die Funktion von Dating Apps als "Egoboost". Swipe-basierte Dating Apps laden dazu ein, Profile anderer Nutzerinnen und Nutzer mit einem Wischen nach links oder rechts abzulehnen oder zu liken.
    Während Nutzerinnen und Nutzer auf klassischen sozialen Medien Likes für einzelne Fotos oder Beiträge sammeln können, erhalten sie via Dating-Apps Feedback für ihr gesamtes Profil. Für Nutzerinnen und Nutzer sichtbar werden nur "Matches", wenn zwei Personen einander geliked haben. Ablehnung durch andere wird genauso wenig sichtbar wie das Feedback derer, die man selbst abgelehnt hat.
    Ein besonderer Reiz von Dating Apps besteht also darin, dass das Feedback auf die Darstellung der eigenen Person so greifbar – in Form von zählbaren Matches – ist. Die bisherige Forschung konnte bereits einen korrelativen Zusammenhang zwischen Dating-App-Nutzung und psychologischen Variablen wie Selbstbewusstsein nachweisen. Allerdings fehlen experimentelle Studien, in denen die Anzahl der Matches manipuliert wird, sowie längsschnittliche Studien mit Nutzerinnen und Nutzern, in denen untersucht wird, wie lange ein durch Matches ausgelöstes Hochgefühl anhält.
  • Thema 7: Der Einfluss von Schuldgefühlen gegenüber der Umwelt auf die Wahrnehmung von Greenwashing
    Konsument*innen möchten zunehmend persönlich zum Schutz des Planeten beitragen. Wenn jedoch der Eindruck entsteht, dass sie sich nicht umweltfreundlich genug oder sogar umweltschädlich verhalten, können Schuldgefühle gegenüber der Umwelt entstehen, die mit einer Verringerung des moralischen Selbstwertes einhergehen. Um den Selbstwert wiederherzustellen, tendieren Individuen dazu, umweltschädliches mit umweltfreundlichem Verhalten wieder auszugleichen. Grüne Werbung, die Kompensationsmaßnahmen im Gegenzug zu umweltschädlichem Konsumverhalten anbietet, könnte Schuldgefühle gegenüber der Umwelt verringern, da moralisch verwerfliches Handeln wieder ausgeglichen wird. Jedoch kommunizieren Unternehmen ihre Werbebotschaften immer öfter vage und irreführend, was zur Wahrnehmung von "Greenwashing" führen kann. Wie sich Schuldgefühle von Konsument*innen gegenüber der Umwelt auf die Wahrnehmung von solchen irreführenden grünen Werbeaussagen auswirken, ist noch unklar. Sind Individuen, die sich schuldig fühlen, zugänglicher für vermeintlich grüne Botschaften? Oder skeptischer? Und welche Bedeutung haben solche Werbeeffekte für die Gesellschaft, in der wir leben?