Themenausschreibung Oktober 2019

  • Thema 1: Alles Grün!? Wirkung von Influencer Marketing
    Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind bedeutsame Themen der aktuellen politischen Diskussion und spielen auch im Rahmen von Konsumentscheidungen eine immer bedeutendere Rolle. Die Bewerbung von grünen Produkten findet daher auf allen Kanälen statt und es kommt "grünen" Produkten daher auch große Bedeutung auf Social Media im Influencer Marketing zu. Doch nachhaltige Produkte sind nicht immer so umweltfreundlich wie sie auf den ersten Blick scheinen. Durch Claims wie "natürlich", Naturbilder, falschen Zertifikaten und vagen oder sogar falschen Aussagen werden Produkte gerne grüner dargestellt, als sie es tatsächlich sind. Diese Irreführung durch "grüne" Claims nennt man Greenwashing. Durch eine Magisterarbeit zu diesem Thema soll in einer Experimental-Studie getestet werden, ob a) nachhaltige Influencer ebenfalls nicht nachhaltige Produkte umweltfreundlicher darstellen können als sie es sind, oder b) wie Follower Inkonsistenz zwischen Werthaltung des Influencers und beworbener nicht nachhaltiger Produkte bewerten.
  • Thema 2: Grün denken, aber nicht handeln? Zur Rolle des Moral Disengagements
    Das Bewusstsein für Umweltthemen und klimaschädliches Verhalten in der Bevölkerung ist so hoch wie nie zuvor. Zahlreiche Berichte und Kampagnen greifen die Klimakrise auf und berichten über den Einfluss unseres Handelns auf den CO2-Ausstoß. Gleichzeitig werden durch Werbung Aktivitäten als wünschenswert und attraktiv dargestellt, die klimaschädlich sind. In der folgenden Studie steht im Mittelpunkt, wie z.B. Medieninhalte wie etwa Flugwerbungen, Urlaubsberichte oder Travel Blogs dazu führen, dass Personen trotz ihres Umweltwissens eben nicht umweltbewusst handeln. Als Rahmen dafür dient Banduras Theorie des "moral disengagement" (2016). Sie zeigt, wie verschiedene Personen gegen ihre eigenen Werte handeln können, ohne sich dabei schuldig zu fühlen. Ein Experiment soll klären, ob Medieninhalte solche Moral Disengagement-Strategien verstärken und dadurch zu weniger umweltbewussten Handeln führen können.
  • Thema 3: Watch out for the (Pepsi-)Placement! Inhalte von Aufklärungshinweisen und ihre Auswirkungen auf das Blickverhalten
    Produktplatzierungen sind Werbeformen, die häufig in Filmen und Serien eingesetzt werden. Laut der Richtlinie für audiovisuelle Medien (AVMSD) sind EU-Rundfunkanbieter dazu verpflichtet, einen Hinweis einzublenden, wenn ein Fernsehprogramm Produktplatzierungen enthält (z.B. "Unterstützt durch Produktplatzierung"). Eine Vielzahl an Studien aus dem europäischen Raum hat bereits die Auswirkungen von Aufklärungshinweisen auf Rezipienten untersucht. Aber in der bisherigen Forschung wurden oftmals markenspezifische Hinweise getestet, das bedeutet Hinweistexte, die die spezielle Marke nennen, während in der Praxis fast ausschließlich generelle Hinweise verwendet werden. Eine Gegenüberstellung dieser Aufklärungsformen wurde bisher noch nicht vorgenommen. Dieser Forschungslücke soll mittels einer Eye-Tracking Studie nachgegangen werden. Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, ob Aufklärungshinweise mit einem speziellen Bezug zur beworbenen Marke im Vergleich zu Hinweisen, die nur allgemein auf das Vorhandensein von Produktplatzierungen aufmerksam machen, das Blickverhalten gegenüber der Marke unterschiedlich beeinflussen.
  • Thema 4: Ein Blick sagt mehr als tausend Worte – Wahrnehmung personalisierter politischer Werbung auf Social Media
    Politische Werbung auf Social Media ist für PolitikerInnen ein nicht mehr wegzudeckendes Werbemittel im Wahlkampf. Seit Jahren investieren PolitikerInnen immer mehr Geld in diese Art der Werbung. Dabei ist ein großer Vorteil, dass die Werbung nur gewissen Personen gezeigt werden kann – also personalisierte Werbung geschaltet wird. Ist den UserInnen jedoch bewusst, dass die jeweiligen politischen Werbungen auf sie zugeschnitten sind? Achten sie auf die Aufklärungshinweise, die sie über diese Tatsache informieren sollen? Diese Masterarbeit soll diesen Fragen mit Hilfe einer Eye-Tracking-Studie nachgehen, um herauszufinden, wie UserInnen diese Art der Werbung tatsächlich wahrnehmen. Dabei wird das Blickverhalten der UserInnen aufgezeichnet. Da es sehr schwer ist, sein Blickverhalten bewusst zu steuern, bietet diese Studie besondere Einblicke in dieses Forschungsfeld.
  • Thema 5: Personalisierte politische Werbung auf Social Media: Die Rolle des Political Fits
    Politische Werbung ist ein immer größeres werdendes Feld in den unterschiedlichsten Bereichen der Medien. Vor allem in den vergangenen Wahlkämpfen in Österreich war besonders auffällig, dass die politischen Parteien immer mehr auf Social Media Werbung setzen. Im Vergleich zu Plakaten oder Werbungen im Fernsehen kann diese Werbung auf spezifische Personen zugeschnitten werden. Parteien können also selbst bestimmen, welche Personengruppe ihre Werbung zu sehen bekommt. Dabei geht es den Parteien vermutlich darum, bestehende WählerInnen weiterhin für sich zu behalten, jedoch auch neue WählerInnen zu akquirieren. Wenn nun jedoch ein/e überzeugte/r Grün-Wähler/in gesagt bekommt, dass aufgrund der vorhandenen Daten im Internet nun eine FPÖ-Werbung geschaltet wird – wie wird sie/er reagieren? Welche Rolle spielt folglich der "Politische Fit" in der Bewertung von politischen, personalisierten Werbungen? Diese Masterarbeit soll sich diesen Fragen widmen und somit Einblicke in ein immer wichtiger werdendes Forschungsfeld schaffen.
  • Thema 6: Personalisierte politische Werbung im eigenen Newsfeed: Eine Screen View Studie
    Weltweit investieren politische Parteien teilweise Summen in Millionenhöhe, um personalisierte politische Werbung auf Social Media zu schalten – also Werbung die nur spezifischen Personengruppen gezeigt wird. Dabei zeigen bereits unterschiedliche Studien auf, dass Personen völlig unterschiedlich auf diese Werbungen reagieren und diese folglich unterschiedlich wahrnehmen. Dies kann an Einstellungen zum Datenschutz, an den Einstellungen zu den jeweiligen Parteien oder auch an sozioökonomischen Daten liegen. Doch welchen Personen mit welchen politischen Einstellungen werden nun tatsächlich diese Werbungen gezeigt? Wie gut funktionieren die Algorithmen, wer welche Werbung zu sehen bekommen soll, wirklich? Diese Masterarbeit soll mit Hilfe einer Screen View Studie diesen Fragen nachgehen. Dabei sollen die TeilnehmerInnen ihren persönlichen Newsfeed öffnen, damit Einblicke geschaffen werden, welche Werbungen welchen Personen gezeigt werden. Dabei soll auch darauf eingegangen werden, wie die TeilnehmerInnen auf diese Werbungen reagieren. Da hierbei reale Newsfeeds erforscht werden, können wichtige Einblicke in dieses Forschungsbereich geschaffen werden.
  • Thema 7: A Negative Campaign? Die Bedeutung von negative und dirty campaigning auf Social Media im Nationalratswahlkampf 2019
    Negative und dirty campaigning als Kommunikationsstrategien von politischen Parteien spielen eine zentrale Rolle im Wahlkampf. Solche gegenseitigen Angriffe – ob fair und respektvoll, oder unfair und herablassend – waren auch im Nationalratswahlkampf 2019 omnipräsent, weil sie es ermöglichen, die potenziellen WählerInnen des politischen Gegners zu demobilisieren. Doch wie verwendeten die Parteien diese Kommunikationsstrategien auf Social Media – einer immer wichtiger werdenden Kommunikationsplattform – im Nationalratswahlkampf 2019? Welche Parteien sind eher zu negative bzw. dirty campaigning geneigt? Und welche Faktoren bedingen die Auswahl solcher Angriffe? Diese Fragen sollen in einer Masterarbeit mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse der Social Media-Postings von Parteien im Nationalratswahlkampf untersucht werden. Diese Studie bietet neue Erkenntnisse in einem kaum untersuchten Forschungsfeld, nämlich der Bedeutung von Attacken in der Online-Kommunikation von politischen Parteien.
  • Thema 8: Dirty Effects? Eine Studie zur Wirkungsweise von negative und dirty campaigning in den Politikfeldern Umweltpolitik und Asyl- und Migrationspolitik
    Attacken nehmen in der Kommunikation von politischen Parteien eine wichtige Rolle ein. Dabei setzen Parteien auf negative und dirty campaigning, die bei Personen unterschiedliche Effekte erzielen können. Studien haben etwa gezeigt, dass negative campaigning eher die Wahlbeteiligung oder das politische Vertrauen erhöht, während dirty campaigning eher die Wahlbeteiligung und das politische Vertrauen verringert. Dennoch ist bis heute nicht gänzlich geklärt, wie Personen auf negative und dirty campaigning reagieren. Welche Auswirkungen haben beide Kommunikationsstrategien auf die Wahlentscheidung, das politische Vertrauen oder die Polarisierung? Inwiefern führen negative und dirty campaigning zu unterschiedlichen Effekten bei den WählerInnen? Wie reagieren verschiedene Wählergruppen auf negative und dirty campaigning? Diese Masterarbeit soll die Effekte von negative und dirty campaigning in zwei kontrovers diskutierten Politikfeldern in Österreich – Umweltpolitik sowie Asyl- und Migrationspolitik– mittels eines Experiments untersuchen. Diese Studie gibt nicht nur Einblick in die (unterschiedlichen) Wirkungsweisen von negative und dirty campaigning, sondern beleuchtet auch deren Effekte auf Personen in einem themenspezifischen Kontext.
  • Thema 9: Politische Information auf Social Media – ab wann gehen die Menschen auf die Straße?
    Bürger und Bürgerinnen sind ständig mit politischen Informationen auf Instagram, Facebook oder anderen Social Media-Kanälen konfrontiert. Ganz egal, ob sie danach suchen oder die Inhalte durch ihr Online-Verhalten oder das ihrer Freunde und Freundinnen in ihren Newsfeed gespült werden: Debatten zur Einführung von Studiengebühren, Informationen zum Asylwesen, Artikel über die Spitzen der Parteien und Veranstaltungseinladungen zu "Friday for Future"-Demos sind neben vielen anderen politischen Inhalten omnipräsent auf Social Media. Doch wie kommt es dazu, dass diese Informationen Menschen mobilisieren, auf die Straße zu gehen und sich anderweitig politisch zu engagieren? Wann führt die Rezeption von politischen Informationen zur Bildung eines politischen Ziels? Und warum folgen darauf nur manchmal Bestrebungen – wie die Teilnahme an einer Demonstration – dieses umzusetzen? Ein Experiment soll helfen, die kognitiven Wirkmechanismen zu verstehen.
  • Thema 10: Terrorangst – jederzeit und überall? Die Wirkung von Terrorberichterstattung auf Terrorangst, Wut gegenüber der Regierung und Unterstützung von restriktiveren Gesetzen für die Zuwanderung von Muslimen
    Die bisherige Forschung zeigt, dass Medienberichterstattung über Terroranschläge des Islamischen Staates Terrorangst und negative Einstellungen gegenüber Muslime fördern kann. In den letzten Jahren haben sich Terroranschläge nicht mehr nur auf Großstädte und Großereignisse konzentriert. Stattdessen hat der Islamische Staat seine Mitglieder in aller Welt dazu aufgerufen, Attacken jederzeit und überall mit einfachen Waffen wie Messern oder Fahrzeugen durchzuführen, wodurch der Terror allgegenwärtig geworden ist. Das Gefühl, dass Terroranschläge jederzeit und überall passieren können, kann die Angst, selbst Opfer eines Terroranschlages zu werden, maßgeblich erhöhen und in der Folge negative Einstellungen gegenüber Musliminnen und Muslimen schüren. Die Medienberichterstattung nimmt dabei eine wichtige Rolle in der Vermittlung der wahrgenommenen Terrorgefahr ein. Die Masterarbeit untersucht unter Einsatz eines experimentellen Designs, wie sich Terrorberichterstattung, die die Allgegenwärtigkeit der Terrorgefahr betont, auf die wahrgenommene Terrorangst, den empfundenen Ärger gegenüber der Regierung und in der Folge auf Einstellungen gegenüber muslimischen Zuwanderern auswirkt.
  • Thema 11: Aus "falsch" mach "trotzdem richtig" – wie halten MedienkonsumentInnen an Fehlinformationen fest?
    MedienkonsumentInnen sind regelmäßig mit falschen Informationen über Kriminalitätsraten, zu Gesundheitsthemen, über den Klimawandel oder Migrationsthemen konfrontiert. Die schnelle Verbreitung solcher Fehlinformationen verstärkte in den letzten Jahren Fact-Checking-Bemühungen von JournalistInnen und NGOs in ganz Europa. Was passiert aber, wenn die offensichtliche Fehlinformation einfach besser in das eigene Weltbild passt? Diese Masterarbeit soll untersuchen, wie RezipientInnen anhand sogenannter Resistenzstrategien an ihrem Weltbild und an Fehlinformationen festhalten. Eine experimentelle Studie soll Einblick in verschiedene kognitive und affektive Mechanismen geben, die Menschen "resistent" gegenüber neuer Information machen – angefangen von der Verunglimpfung der Quelle bis hin zum Generieren von Gegenargumenten.
  • Thema 12: Worauf wird mehr geachtet – Smartphones oder GesprächspartnerInnen? Eine Untersuchung der Einflüsse von Phubbing auf Smartphone-Nutzung, soziale Isolation und soziales Wohlbefinden
    Smartphones sind unsere täglichen Begleiter und haben einen zentralen Stellenwert im Umgang mit unseren Mitmenschen eingenommen. Während face-to-face Gesprächen kann sehr häufig beobachtet werden, dass die Aufmerksamkeit der Smartphone-NutzerInnen immer wieder von GesprächspartnerInnen auf das eigene Smartphone gelenkt wird. Dieses Phänomen ist mittlerweile unter dem englischen Begriff Phubbing (Zusammensetzung aus den Wörtern phone und snubbing) bekannt. Phubbing bedeutet, dass das Gegenüber ignoriert wird, während man sich mit dem eigenen Smartphone beschäftigt. Aktuelle Studien zeigen, dass Phubbing negative Auswirkungen auf soziale Interaktionen und die Zufriedenheit mit zwischenmenschlichen Beziehungen haben kann. Diese Arbeit soll anhand einer experimentellen Studie überprüfen, wie sich Phubbing auf die Betroffenen auswirkt. Hierfür können verschiedene Konstellationen, z.B. Konversationen mit einem oder mehreren GesprächspartnerInnen, und/oder unterschiedliche Settings, z.B. im Labor, an Schulen oder öffentlichen Plätzen, untersucht werden. Ziel ist es herauszufinden, welchen Einfluss Phubbing auf die Smartphone-Nutzung, soziale Interaktionen, soziale Isolation und soziales Wohlbefinden hat.
  • Thema 13: #Body Positivity auf Instagram: Ein Schritt in die richtige Richtung?
    Instagram ist voll von perfekten Reisen, perfektem Leben und auch voll von perfekten Körpern. Studien haben bereits gezeigt, dass die unrealistische Darstellung von perfekten Körpern ohne ein Gramm Fett oder Cellulite auf Instagram vor allem bei jungen Frauen dazu beiträgt, dass man negative Gefühle und Einstellungen gegenüber dem eigenen Körper entwickelt. Nun gibt es jedoch einen Trend in die entgegengesetzte Richtung: Influencer/innen stellen ihren Körper möglichst natürlich dar oder versuchen mithilfe von anderen Strategien zu zeigen, dass Instagram nicht die Realität wiederspiegelt. Doch wie beeinflussen diese Darstellungen die Rezipient/innen? Gibt es einen Unterschied zwischen Rezipient/innen bezogen auf Alter, Geschlecht und Bildung? Mithilfe einer Experimentalstudie soll diesen Fragen nachgegangen werden, um herauszufinden, inwieweit realitätsnahe Körperdarstellungen auf Instagram unterschiedliche Gruppen beeinflussen können.